CHIRURGIE

Zirkumzision/männliche Beschneidung

Bei der Zirkumzision/männlichen Beschneidung handelt es sich um die vollständige oder teilweise Entfernung der männlichen Vorhaut.

Gründe für eine Beschneidung sind meist religiöser oder kultureller Art, hygienische und ästhetische Beweggründe spielen zunehmend eine grosse Rolle. Es gibt jedoch auch eindeutig medizinische Indikationen.

  

Beschneidung aus medizinischen Gründen

Bei der Beschneidung aus medizinischen Gründen spielt vor allem die Phimose eine Rolle. Bei der Phimose handelt es sich um eine Vorhautverengung, so dass die Vorhaut nicht mehr über die Eichel gestreift werden kann. Dies kann zu immer wiederkehrenden Entzündungen an der Vorhaut und Eichel (Balanitis) führen. Bei kleinen Jungen führt dies zur Bildung eines „Ballons“ an der Vorhaut beim Wasserlassen, d.h. die Vorhaut dehnt sich durch den Urin aus, da der Abfluss des Urins versperrt ist. Zusätzlich kann dies aber auch Ursache wiederkehrender Entzündungen der ableitenden Harnwege (Urethritis, Cystitis) sein, insbesondere, wenn keine andere Ursache dafür gefunden werden kann.

 

Eine Notfallindikation zur sofortigen operativen Behandlung liegt vor, wenn nach häufigerem Zurückstreifen der Vorhaut über die Eichel, sich ein Schnürring (so genannter „Spanischer Kragen“ oder Paraphimose) bildet. Die Vorhaut liegt dann unterhalb der Furche  zwischen Penisschaft und Eichel (Sulcus coronarius) und kann nicht mehr über die Eichel zurückgestreift werden, da eine zunehmende Schwellung der Eichel und der Vorhaut dieses verhindert. Diese Situation ist ein Notfall, der eine umgehende Vorstellung bei einem Chirurgen, Urologen oder in einer chirurgischen oder urologischen Klinik notwendig macht. Hier wird man versuchen die Vorhaut erneut über die Eichel zu streifen. Eine örtliche Betäubung oder kleiner operativer Eingriff ist dabei in der Regel erforderlich. 

Eine Phimose kann in jedem Alter auftreten, ist jedoch im frühen Kindesalter häufig und hierbei ist das folgende sehr wichtig:

 Im frühen Säuglings- und Kindesalter ist die Verklebung der Vorhaut ein Normalbefund!! (physiologisch). Bis nach Abschluss des ersten Lebensjahres kann die Vorhaut in etwa der Hälfte der Fälle zurückgeschoben werden. Bevor man bei Jungen an eine Beschneidung aus diesen medizinischen Gründen denkt, sollte man immer eine konservative Therapie mit einer cortisonhaltigen Salbe durchführen. Bei einem Grossteil der Jungen kann so eine Phimose ohne Operation erfolgreich behandelt werden.

 

 Beschneidung aus kosmetischen oder religiösen Gründen

Jungen oder auch Säuglinge sollten, wenn sie noch sehr jung sind, meiner Meinung nach nicht aus religiösen Gründen beschnitten werden. Grundsätzlich sollte ein Junge selbst entscheiden, wann und ob er aus religiösen Gründen oder kosmetischen Gründen beschnitten werden will. Hierzu sollte der Junge eine entsprechende geistige Reife besitzen,  um die möglichen Vorteile, die Folgen, aber auch die Risiken zu beurteilen. Dies ist unserer Ansicht nach in einem Alter von minimal 16 Jahren möglich.

 

Es gibt sicherlich Vorteile der Beschneidung:

  1. das Übertragungsrisiko von Geschlechtskrankheiten ist durch eine Beschneidung geringer. Z.B. wird das Risiko sich mit dem HPV Virus =    Human Papilloma Virus , anzustecken durch eine Beschneidung deutlich geringer.  Das HPV Virus ist verantwortlich für Gebärmutterhalskrebs, Analkrebs und auch Krebs im Halsbereich. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass durch die Beschneidung das Risiko einer HPV Infektion von bis zu 70% verringert   wird.

  2. Weitere Vorteile sind, dass infolge einer besseren Hygiene eine geringere Gefahr für die Entstehung von Harnleiterentzündungen und Prostataentzündungen besteht. Auch scheinen beschnittene Männer seltener Prostatakrebs zu bekommen.

  3. Ein weiterer Grund für eine Beschneidung ist die Tatsache, dass die Eichel durch den Eingriff unempfindlicher wird. Dies ist hilfreich, wenn das Problem einer vorzeitigen Ejakulation vorliegt.

Beschneidungsstile:

1. Low and Loose – Beschneidung

Bei der low and loose  Beschneidung hat die verbliebene Penisschafthaut nach der Beschneidung noch genügend Bewegungsspielraum und sitzt nicht sonderlich straff am Penisschaft. Die Beschneidungslinie befindet sich direkt hinter dem Eichelkranz, da das innere Blatt sehr kurz gehalten wird. Die Schafthaut kann die Eichel berühren oder gar bedecken.

Vorteile:

Unterschiedliche Hauttönungen sind kaum bis gar nicht zu sehen, da das innere Vorhautblatt nahezu komplett entfernt worden ist.

Nachteile:

 1. Nervenenden der Vorhautinnenseite sind nahezu alle entfernt, da das innere Blatt nahezu komplett entfernt wird.

2. Bei Nichtgefallen ist eine Nachbeschneidung meist ausgeschlossen beziehungsweise sehr schwierig.

3. Wirkt durch die vielen Hautfalten nur, als wenn die Vorhaut zurückgezogen ist.

4. Die Beschneidungsvorteile sind insbesondere bei der Hygiene nicht vollständig oder gar nicht gegeben.

 

2. Low and tight Beschneidung:

Hier handelt es sich um eine Beschneidungstechnik, bei der die Beschneidungslinie ebenso wie bei der low and loose Beschneidung relativ dicht in der Nähe des Sulcus coronarius (Eichelkranz) liegt. Bei der tight Variante wird die Penisschafthaut allerdings – im Gegensatz zu der loose Beschneidung – sehr straff zurückgeschnitten, so dass die Penisschafthaut relativ straff am Penis sitzt und im nicht eregierten Zustand wenig Hautbeweglichkeit zeigt.

Vorteile:

1. Unterschiedliche Hauttönungen sind kaum bis gar nicht zu sehen, da das innere Vorhautblatt nahezu komplett entfernt worden ist.

2. Auch im unerigierten Zustand wenige bis gar keine Hautfalten

 Nachteile:

1. Nervenenden der Hautinnenseite sind nahezu alle entfernt.

2. Bei Nichtgefallen ist eine Nachbeschneidung meist ausgeschlossen beziehungsweise sehr schwierig

 

3. High and tight Beschneidung

Bei der high and tight Beschneidung, wird das innere Blatt (dort wo die Nervenendigungen vorhanden sind) relativ lang gelassen, wobei diese Länge variabel ist und entsprechend auf Wunsch durchaus 1, 2 oder 3 cm betragen kann. Die Beschneidungslinie liegt dann entsprechend der Länge des inneren Blattes zwischen einem und 3 cm entfernt unterhalb des Eichelkranz. Es bleibt also ein Teil des inneren Vorhautblatts erhalten.

Die high Variante zeichnet sich somit durch ein unterschiedliches Hautkolorid der Penisschafthaut und des verbliebenen inneren Vorhautblattes aus. Die Beschaffenheit des inneren Präputialblattes ist vom Hautmaterial her, verglichen mit der verbliebenen Penisschafthaut weniger belastbar, deshalb können erneute Narbenbildungen oder sonstige Missempfindungen vermehrt möglich sein, daher sollte das innere Blatt nicht zu lang gelassen werden.

 Vorteile:

1.  Viele Nervenenden in der Hautinnenseite bleiben erhalten und sind durch die Freilegung leicht stimulierbar.

2. Bei Nichtgefallen ist eine Nachbeschneidung möglich.

3. Auch im  nicht erigiertem Zustand wenige Hautfalten

 Nachteil:

 1. Unterschiedliche Hauttönungen (inneres / äußeres Vorhautblatt) sind sichtbar.

2. Das länger gelassener innere Vorhautblatt ist weniger belastbar und kann schneller verletzt werden.

 

  4. High and loose Beschneidung

Hierbei wird das innere Blatt ebenfalls relativ lang gelassen aber auch das äussere Blatt und damit die Penisschaft Haut, so dass das postoperative Ergebnis sich oft so aussieht, als hätte eine Beschneidung nicht stattgefunden. Bei dieser Teilbeschneidung entfallen viele Vorteile einer Beschneidung und es ist postoperativ auf vermehrte Pflege und Hygiene zu achten, gute Desinfektion, da die Teilbeschneidung ein erhöhtes Risiko an erneuter Vernarbung im Operationsbereich, sowie eine erhöhte Rate an Wundinfektionen beinhaltet.

Vorteile:

1. Viele Nervenenden in der Hautinnenseite bleiben erhalten und sind durch die Freilegung leicht stimulierbar.

2. Bei Nichtgefallen ist eine Nachbeschneidung möglich.

Nachteile:

  1. Unterschiedliche Hauttönungen (inneres / äußeres Vorhautblatt) sind auf jeden Fall in der Anfangszeit sichtbar.

  2. Wirkt durch die vielen Hautfalten nur wie Vorhaut zurückgezogen.

  3. Die Beschneidungsvorteile sind insbesondere bei der Hygiene nicht vollständig oder gar nicht gegeben.

 

Komplikationen und mögliche Risiken:

1. Kurzfristige Risiken/Komplikationen:

  • Allergische Reaktionen auf z. B. auf das örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhesie), wenn die Beschneidung in örtlicher Betäubung durchgeführt wird.

  • Schmerzen

  • Blutungen aus dem Narbenbereich, Bildung eines Blutergusses

  • Schwellungen

  • Falls die Vorhaut nur teilweise entfernt wurde, kann es durch Schrumpfung des Narbengewebes erneut zur Ausbildung einer Verengung kommen.

  • Überempfindlichkeit der Eichel (nur in der ersten Zeit)

     

2. Langfristige Risiken/Komplikationen:

  • Schmerzen

  • Verminderte Empfindlichkeit der Eichel

  • langfristige Überempfindlichkeit der Eichel

  • Narbenbildung

  • Penisschafthaut zu lang oder zu kurz,

  • ( Es kann keine Garantie übernommen werden, ob ein Beschneidung nicht doch zu "loose" oder zu "tight" vorgenommen wird, da der Eingriff in einem nicht erigiertem Zustand des Penis vorgenommen wird und eine 100 % genaue Abschätzung der Länge der verbleibenden Penisschafthaut nicht möglich ist.

Wichtiges vor und nach dem Eingriff:

Wie läuft der Eingriff ab?

  • Der Eingriff erfolgt in örtlicher Betäubung. An der Basis des Penis wird das Betäubungsmittel ringsherum infiltriert. Die Betäubung hält in der Regel 2-3 Stunden an. Eine Rasur ist vorab nicht unbedingt erforderlich, aber schon hilfreich für die spätere Hygiene. Der Penis wird nach der örtlichen Betäubung steril abgewaschen und abgedeckt. Bevor angefangen wird zu operieren, wird immer überprüft, ob Schmerzfreiheit vorliegt. Eventuell muss noch einmal zusätzlich etwas örtliche Betäubung zugeführt werden. Die Wundnähte erfolgen mit einem Faden, der sich nach ca. 2 Wochen von selbst auflöst. Nach dem Eingriff wird die Wunde mit einer speziellen Fettgaze abgedeckt. Wenn der Verband dann nach 24 Stunden abgenommen wird, kann die Wunde nicht aufreissen und auch die Abnahme des Verbandes ist nicht schmerzhaft. Zusätzlich wird die Wunde mit einem leichten Druckverband verbunden. Das Einbinden erfolgt so, dass das Urinieren problemlos möglich ist. Sollte der Verband etwas mit Urin beschmutzt werden, ist dies kein Problem.

    Wenn der Verband angelegt ist, erhalten Sie ein schmerzstillendes und entzündungshemmendes Medikament. Die Medikamente fangen dann an zu wirken, wenn die örtliche Betäubung ausgewirkt ist.

Weitere Versorgung nach dem Eingriff:

  • 24 Stunden nach dem Eingriff sollten sie den Verband abnehmen. Obwohl die Wunde mit einer Fettgaze abgedeckt ist, sollten Sie den Verbandswechsel am besten unter der Dusche oder in einem Sitzbad vornehmen. Der Verband soll vorsichtig gelöst werden. Sollte es doch zu einer Blutung kommen, können Sie diese durch Abdrücken mit einer Kompresse über 10 Minuten stillen (Die Kompressen werden Ihnen nach dem Eingriff mitgegeben). Nach der Entfernung des Verbandes können Sie beginnen, die Ihnen bereits im Vorfeld rezeptierte Salbe dünn auf die Wunde aufzutragen. Sie sollten im weiteren Verlauf die Wunde nur noch in einen lockeren Kompressen Verband einpacken und eine relativ straffe Unterhose tragen. Eine entsprechende Anleitung erhalten Sie zusätzlich noch nach dem Eingriff.

     

Weiterhin wichtig ist Folgendes:

  1.  In den ersten Tagen nach einer Bescheidung sollten sie sich körperlich schonen. Nach jedem Urinieren sollten sie den Wundbereich und die Eichel mit lauwarmem Wasser abspülen. Und anschliessend die Ihnen rezeptierte Salbe auftragen. Zu einem späteren Zeitpunkt können bepanthenhaltige Salben den Heilungsverlauf unterstützen.

  2. Auf das Auftreten von Rötungen, zunehmender Schwellung oder Fieber sollte geachtet werden. Bei Unsicherheiten sollten sie sich an Ihren Operateur wenden.

  3.  Am Tag nach dem Eingriff darf wieder geduscht werden. Baden ist anfänglich nicht erlaubt, weil sich ansonsten die Fäden zu schnell auflösen würden.

  4. In der Regel ist der Heilungsverlauf bei einer vollständigen Beschneidung nach 2-3 Wochen abgeschlossen. Das Nahtmaterial ist selbstauflösend, das heißt, es müssen keine Fäden gezogen werden.

  5.  Bei gutem Heilungsverlauf ist in der Regel nach einigen Wochen Geschlechtsverkehr wieder möglich. Auf jeden Fall sollte mindestens 2-3 Wochen kein Geschlechtsverkehr stattfinden. Den genauen Zeitpunkt könne sie aber dann selbst bestimmen. Die Fäden sollten sich vollständig aufgelöst haben und es sollte keine Schwellung mehr bestehen. Zu Beginn ist Vorsicht anzuraten.

  6. Die Beschneidung der Vorhaut hat keinen Einfluss, weder positiv noch negativ, auf die Erektionsstärke.

  7.  Manche Männer berichten über verstärkte Höhepunkte beim Geschlechtsverkehr (Orgasmen). Auch vermehrte Ausdauer beim Geschlechtsverkehr wird angegeben.

 

Kosten des Eingriffs

1. Bei einer Beschneidung aus medizinischen Gründen bezahlt die Krankenkasse den Eingriff. Es muss jedoch zuvor eine Kostengutsprache beim Vertrauensarzt Ihrer Krankenkasse angefragt werden.

2. In allen anderen Fällen (religiöse oder kosmetische/hygienische Beweggründe) müssen Sie den Eingriff selbst bezahlen.

 

Die Kosten des Eingriffs betragen 1250,-  CHF als Pauschalpreis inklusive der Voruntersuchung und entsprechenden Beratung. Da es sich um eine Nichtpflichtleistung der Krankenkasse handelt, bitten wir Sie entweder den Betrag am Tag des Eingriffs in bar oder mit Ihrer Bankkarte zu bezahlen oder auch im Voraus per Einzahlungsschein. Sie erhalten eine entsprechende Quittung.

team.chirurgiewohlen@hin.ch

Tel:  056 622 26 25

Fax: 056 621 02 05

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